Steyrer Zeitung, 14. Feb.1991

 

Im Haus der Steyrer Zeitung
"Zeitzeichen" gesetzt

Eine Aktion des Steyrer Künstlers Johannes Goldhoff unter Aufsicht eines Notars - Ausstellung bis März

 

Eines seiner Zeitzeichen im Rahmen des Projekts "Tellaura Anachtonismos" (Die Rückkehr des Goldes zur Erde) hat am vergangenen Freitag der Steyrer Künstler Johannes Goldhoff in der Galerie Pohlhammer/Steyrer Zeitung im Haus Blumauergasse 30 gesetzt. Goldhoff, der seine Aktionen seit mehreren Jahren in einem auf Lebenslang ausgelegten Projekt durchführt, ist zur Erkenntnis gelangt, daß das Edelmetall Gold keineswegs rein, sondern als Machtsymbol immer mit dem Blut der Geknechteten befleckt ist. Eine Möglichkeit, das Gold reinzuwaschen, ist für den Steyrer Künstler der Tausch des Goldes gegen die Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft. Goldhoffs Arbeiten und Aktionen sind auch Aufruf zur Reflexion über gesellschaftliche Wertvorstellungen.

 

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Die jüngste Aktion am Freitag im Haus der Steyrer Zeitung und Vereinsdruckerei, die als "Zeitzeichen" auch einen Bezug zum Golfkrieg herstellte, fand unter notarieller Aufsicht statt. In einem original ABC-Schutzanzug des Warschauer Pakts (samt Gasmaske) gehüllt, machte sich Johannes Goldhoff ans Werk, das eine halbe Stunde Schwerarbeit bedeutete.

Die Aktion lief vor schweigendem Publikum wie eine religiöse Zeremonie ab.

In einem Betonquader, links und rechts flankiert von eckigen Betonsäulen mit Kriegshelmen darauf, versenkte Goldhoff ein benütztes arabisches Schmaach (Kopfbedeckung) aus Israel, einen unbenützten amerikanischen Stahlhelm mit Tarnüberzug, einen benützten europäischen Stahlhelm aus dem zweiten Weltkrieg und eine mit mehreren Ingredienzien gefüllte Granathülse. dem Schmaach und den Helmen wurde außerdem je ein Golddukaten beigelegt. In die Granathülse hatte Goldhoff vor der Versenkung folgendes gefüllt: Salzkristalle aus Israel (Totes Meer), Messingspäne aus Österreich, Erde aus dem Vatikan, den USA und Deutschland sowie zwei aus je einem Golddukaten bestehende Kleinskulpturen, einen Nagel, roten Siegellack, Goldschmiedefell, schwarze Blumenerde und ein Fragment eines vom Ölberg in Jerusalem stammenden Steines.

"Mein Wunsch wäre, daß das Objekt solange hier stehen bleibt, bis der letzte Schuß im Golfkrieg gefallen ist" sagte Goldhoff nach beendetem Ritual. Dieses Objekt sowie Wandobjekte ("Lichtminen") und Bilder ("Goldminen") sind bis Mitte März in der Hausgalerie im zweiten Stock ausgestellt.

Bildtexte:  

a.) Goldhoffs "Zeitzeichen"-Aktion unter notarieller Aufsicht im Haus der Steyrer Zeitung.

Fotos: Kranzmayr

b.) Der Steyrer Künstler, in einem ABC-Schutzanzug mit Gasmaske gehüllt, in schweißtreibender Aktion beim Mischen des Betons für das Schließen des mit symbolischen Gegenständen und diversen Ingredienzien gefüllten Quaders.

 


T.A.Tagebuch 51. Woche 1998
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(1987-91 Arbeit unter dem Pseudonym Johannes Goldhoff)