§ 42

Von dem intellektuellen Interesse am Schönen

      Es geschah in gutmütiger Absicht, daß diejenigen, welche alle Beschäftigungen der Menschen, wozu diese die innere Naturanlage antreibt, gerne auf den letzten Zweck der Menschheit, nämlich auf das Moralisch-Gute richten wollten, es für ein Zeichen eines guten moralischen Charakters hielten, am Schönen überhaupt ein Interesse zu nehmen.(...)

So scheint die weisse Farbe der Lilie das Gemüt zu Ideen der Unschuld, und nach der Ordnung der sieben Farben, von der roten an bis zur violetten

1. zur Idee der Erhabenheit,
2. der
Kühnheit,
3. der
Freimütigkeit,
4. der
Freundlichkeit,
5. der
Bescheidenheit,
6. der
Standhaftigkeit, und
7. der Zärtlichkeit zu stimmen. (...)

 

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§ 43

Von der Kunst überhaupt

       1. Kunst wird von der Natur, wie Tun (facere) vom Handeln oder Wirken überhaupt (agere), und das Produkt oder die Folge der ersteren als Werk (opus) von der letzteren als Wirkung (effectus) unterschieden.
       Von Rechts wegen sollte man nur die Hervorbringung durch Freiheit, d.i. durch eine Willkür, die ihren Handlungen Vernunft zu Grunde legt, Kunst nennen.

 

Immanuel Kant, "Kritik der Urteilskraft", 1799

 

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§ 42