Der Verein Neunerhaus

 

Die Idee, ein selbstverwaltetes Wohnhaus für Obdachlose in Wien zu starten, entstand im Winter 1998/1999. Die zunehmende Anzahl von wohnungslosen Menschen und die zwangsweise Wegweisung von Obdachlosen rund um den Franz-Josefs-Bahnhof im Neunten Wiener Gemeindebezirk führte dazu, dass besorgte Bürgerinnen und Bürger in Gesprächen mit wohnungslosen Menschen dieses Projekt entwickelten. Diese Zusammenarbeit mit Obdachlosen ist bei Sozialprojekten einzigartig. Die Einbindung der Betroffenen ermöglichte uns, die optimalsten Bedingungen für einen Start in ein neues Leben mit erfolgreicher Zukunft zu ermöglichen:

 

* menschenwürdige Wohnungen in entsprechender Größe und Ausstattung
* dauerhafte Wohnmöglichkeiten
* Unterstützung bei gesundheitlichen Problemen und bei der Arbeitsplatzsuche

 

Unsere Privatinitiative, bestehend aus Menschen unterschiedlicher privater und beruflicher Provenienz, hat dieses Ziel nun nach einjähriger Planungsphase umgesetzt. Wir stellen damit unter Beweis, dass eine kleine Gruppe mit einer guten Idee auch viel bewegen kann. Für diesen Zweck wurde der gemeinnützige und überparteiliche Verein Neunerhaus gegründet.

 

Es ist uns gelungen, ein geeignetes Haus für 60 Menschen zu finden und anzumieten. Im Jänner 2001 sind bereits 30 Personen in je eine eigene Wohneinheit eingezogen. Die Wohnungen sind teilweise möbliert und verfügen über Zentralheizung. Unser Haus befindet sich in der Hagenmüllergasse 34 im dritten Wiener Gemeindebezirk.

 

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Warum war die Realisierung des Neunerhauses für uns wichtig?

 

Wien ist eine wohlhabende Stadt. Trotzdem gibt es eine größere Anzahl von Obdachlosen, die auf der Straße leben. Menschen geraten oft schuldlos und sehr schnell in einen Teufelskreis von Scheidung, Verlust der Wohnung und der Erwerbsarbeit. Obdachlosigkeit macht krank. Je länger jemand auf der Straße leben muß, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von gesundheitlichen Problemen und von psychischem Druck. Weiters ist der ganzen Volkswirtschaft geholfen, wenn diese Menschen wieder ein Dach über dem Kopf haben. Denn ein häufiger Krankenhausaufenthalt, bedingt durch das entbehrungsreiche Leben im Freien, ist eine kostspielige Angelegenheit. Deshalb ist es für uns nicht nur aus ethischen Überlegungen heraus sinnvoll, für obdachlose Menschen etwas zu tun.

 

Was ist das Neue am Konzept des Neunerhauses?

 

* Die BewohnerInnen des Hauses können das Leben und die Arbeit aktiv mitgestalten
* Bei uns können auch Paare wohnen und haarige Lebensbegleiter wie Hund und Katz sind willkommen.
* Wir wollen die BewohnerInnen wieder zur Selbstorganisation befähigen: Wir richten eine Kunstwerkstatt ein. Schon jetzt gibt es die Möglichkeit im Haus bei kleineren Arbeiten mitzuarbeiten
* Wir bieten Hilfestellung bei persönlichen Problemen, wie auch beim Umgang mit Behörden, durch SozialarbeiterInnen an.
* Wir evaluieren laufend die Umsetzung unseres Konzeptes um sinnvolle Kurskorrekturen vornehmen zu können.
* Allfällige Konflikte versuchen wir mit modernen Formen der Konfliktlösung (Mediation) zu klären.
* Der Entwicklungsprozess des Neunerhauses soll wissenschaftlich dokumentiert werden.

 

Welche Ziele haben wir uns gesteckt?

 

Wir wollen eine Vorreiterrolle übernehmen, wie Obdachlosenarbeit in Zukunft aussehen kann. Als kleiner, flexibler Verein wollen wir eine schwerfällige Verwaltung "von oben" durch eine "Teilhabe von unten" ergänzen. In der ersten Phase geht es um ein Eingewöhnen der BewohnerInnen in das Haus. Anschließend steht das Ordnen der individuellen Lebenssituation im Vordergrund.

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Nach einer weiteren Phase geht es um das Wiederentdecken von Fertigkeiten und Fähigkeiten. Selbstverantwortung und Selbstorganisation werden realistischerweise von den Menschen nicht vorausgesetzt, sondern als zu erarbeitendes gemeinsames Ziel gesehen. Für die BewohnerInnen werden Erfahrungen möglich, die ihr Selbstwertgefühl wieder aufbauen, um sie zu Aktivität und Kommunikation zu ermutigen.
Die Finanzierung ergibt sich einerseits aus den Kostenbeiträgen der BewohnerInnen, andererseits aus Geld- und Sachspenden. Notwendige Adaptierungsarbeiten, Zimmerumbauten sowie Haushalts- und Einrichtungsgegenstände sind jetzt vorrangig zu finanzieren. Auch einen Mitarbeiter müssen wir durch private Spenden finanzieren. Gerade im Kunst- und Kulturbereich stossen wir auf große Resonanz. Etliche KünstlerInnen und GaleristInnen haben spontan ihre Bereitschaft erklärt, uns zu unterstützen.
Aus diesem Grund ist es für uns eine große Chance und Hilfe, dass in den Räumlichkeiten der Wiener Kunstauktionen im Palais Kinsky diese Benefizauktion zu Gunsten der BewohnerInnen des Neunerhauses stattfindet. Die Wiener Kunstauktionen tragen mit ihrem Renommee und ihrer großzügigen Unterstützung einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen unseres Projekts bei.Wir sagen ein herzliches Dankeschön im Namen aller BewohnerInnen des Neunerhauses an jene KünstlerInnen, UnternehmerInnen und Privatpersonen, die mit ihrer Unterstützung beitragen, dass diesen Menschen am Rande der Gesellschaft wieder eine Chance geboten wird.

 

Der Verein Neunerhaus

 

Kontakt:  Thomas.Zimmerleiter@blackbox.net

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