| 1. Einleitung |
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"Das Schöne an meiner
Kunst ist die Wahrheit, die in ihr steckt!" (1) |
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Ende der achtziger Jahre
wurde der oberösterreichische Goldschmied Johannes Angerbauer (Abb. 1) Teil der
österreichischen Kunstszene. Er wandelte sich vom "Goldverarbeiter", der 1987
als letzte Auftragsarbeit einen "sensiblen Herrenring" anfertigte, zum
"Goldsucher", für den die Zeit der Schmuckgestaltung damit endgültig
abgeschlossen war. |
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Seinen spezifischen
Kunstauftrag umreißt Angerbauer wie folgt: "Ich sehe es als meine Aufgabe, durch
meine Arbeiten die Hintergründe des "göttlichen Metalls" aufzuzeigen, der
Wahrheit zu helfen und damit für unzählige Menschen zu sprechen, die Opfer des Goldes
geworden sind und die für dieses Metall ihr Leben gegeben haben." (2) |
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Angerbauer spürt dem
Mythos Gold nach und deckt die vielschichtigen Beziehungen des Menschen mit dem in der
Geschichte als göttlich und teuflisch genannten Edelmetall auf. Niemals zuvor wurde im
Verlauf der Kunstgeschichte der Aspekt des menschlichen Leids im Gold gesehen. Er möchte
den Menschen diese Idee nahebringen, bei ihnen durch künstlerische Handlungen einen
Denkprozeß initiieren und Nachdenklichkeit auslösen. Der Weg dieser Menschen
manifestiert sich in Angerbauers Objekten. |
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Für Angerbauer ist
"Gold (...) das einzige Element, das die Möglichkeit in sich birgt, durch sein
bloßes Erscheinen ein globales und transglobales Symbol menschlicher destruktiver
Eigenschaften und menschlichen Leids zu sein." (3) |
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Wenn Johannes Angerbauer
goldene Schwellen (Abb. 2) vor die Eingänge (...) legt, erheben sich so viele Fragen,
daß (...) in diesem Zusammenhang auftauchende Gedanken kaum zu bewältigen (sind). Daß
einer, um Hilfe zu bekommen (oder um Hilfe anzubieten), eine goldene Schwelle
überschreiten muß, scheint (...) so grotesk widersprüchlich, daß (man) am liebsten
sofort wieder zu denken aufhören möchte.(...). Der Zwang sei angenommen, das Denken
möge beginnen. Goldene Schwelle als Begriff täuscht, denn golden ist die Schwelle ja nur
bis zu dem Moment, in dem sie jemand betritt. Das Gold ist so aufgelegt, daß es schon mit
einem einzigen kräftigen Auftreten abgerieben wird. Das Gold ist also der Abnützung
durch Benützung, dem Verschwinden durch Kontakt preisgegeben, der Vernichtung
letztendlich." (4) Hier liegt der von Angerbauer beabsichtigte
Beginn eines sozialen Prozesses. |
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Ziel dieser Arbeit ist es,
diesen jahrelangen Entwicklungsprozeß im Verlauf seines künstlerisch-biographischen
Weges vorzustellen und zu erläutern. |
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Es wird ein
zeitgenössischer Künstler vorgestellt, dessen Lebenslauf im Hinblick auf die
Auseinandersetzung mit seinem Thema, dem "Mythos des Goldes", verschiedene
Wendepunkte und künstlerische Phasen aufweist. Die Definitionen zum Begriff des Goldes,
wie sie Angerbauer in seinem Werk versteht, werden erörtert. Dabei wird abschließend ein
Vergleich mit Beuys und Klein, insbesondere im Hinblick auf die soziale Komponente und die
spezifische Materialverwendung gezogen. |
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Weiterhin soll eine
Bewertung der künstlerischen Aktivitäten von Johannes Angerbauer vorgenommen werden und
sein Stellenwert als zeitgenössischer und eigenständiger Künstler lokalisiert werden. |
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Grundlage der hier
vorgelegten Arbeit sind die mit Johannes Angerbauer geführten Interviews vor Ort in
Steyr, Österreich, aktuelle Informationen aus seiner Homepage, E-Mail Austausch, seine
Tagebuchführung im Internet, Prozeßdokumentationen des Künstlers selbst sowie
Zeitungsartikel und die Auswertung von Sekundärliteratur. |
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2. Der Goldbegriff in
seiner Mehrdeutigkeit |
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[ Inhaltsverzeichnis ] |
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| (1) Angerbauer,
Johannes 1998a (zit. in Oberösterreichische Nachrichten 1998 |
| (2) Angerbauer 1988 |
| (3) Angerbauer 1994 |
| (4) Tolar, Günter 1996 |