T.A.03195

 

Ort: Zürich "Kunst95"
Zeit: 19.10. - 22.10.1995
Art: Minenfeld #6

 

0.

Der Messebesucher betritt die Kunstmesse über ein am Boden liegendes goldenes Feld. Die Position des "goldenen Minenfelds" ist so gewählt, daß jeder Besucher gezwungen ist, über dieses Feld zu gehen und seine Spuren darauf zu hinterlassen.

Das goldene Minenfeld ist 2,50 m breit und 3 m lang. Es besteht aus 24 quadratischen Einzelminen mit 50 x 50 cm und 3 doppelquadratischen Einzelminen mit 50 x 100 cm. Verwendetes Material ist 23-karätiges Dukatendoppelgold (Blattgold) auf Siebdruck auf 3-Schicht Holzplatten.

Als logischer Ort für die Stationierung erscheint die Bodenfläche zwischen Eingangs- und Kassenbereich. Ein Zwischenraum.

 

I.

Die erste Reihe besteht aus 5 Einzelminen mit 5 verschiedenen Bildinhalten. Diese sind Bestandteil einer Serie von gleichen Bildinhalten aus den vorangegangenen Minenfeldern und sind jeweils der 4. Teil dieser Serie. Als Auftragsarbeiten von Sammlern stehen sie hier stellvertretend für den materiellen Aspekt von Kunst, Markt und Sammler. Sie bilden damit auch eine materielle Basis für die weitere freie Verwirklichung und Umsetzung der Idee der T.A. in eine sich vollziehende Handlung.

 

II.

Die zweite und dritte Reihe besteht aus jeweils zwei übereinander befindlichen, links und rechts außen liegenden Einzelminen mit gleichem Bildinhalt und drei in der Mitte liegenden - beide Reihen verbindenden - Einzelminen in doppelquadratischer Größe.

Die vier äußeren Minen weisen auf einen örtlichen, zugleich prozeßbezogenen Aspekt. In Inhalt und Farbe stehen sie für Wärme, Energiefluß und Energieabgabe. Es handelt sich dabei um eine digital veränderte Fotografie, welche ich im Sommer 1995 vor Ort in der ABB Werkshalle aufgenommen habe.

Die drei mittleren Minen verschmelzen inhaltlich die drei übergeordneten Teile des Minenfelds und weisen auf einen verbindenden, zukunftsorientierten Aspekt. In Inhalt und Farbe stehen sie für die Verschmelzung von Immanenz und Transzendenz, Geist und Materie sowie die Konvergenz von Bio- und Nanotechnologie. Es handelt sich um das erste Bild einer Nervenzelle deren Dendriten auf einer, vom Menschen vorgegebenen "Laufbahn = Leiterbahn" wuchsen und sich so verzweigten. Ich habe dieses Bildzitat der Zeitschrift "Bild der Wissenschaft" entnommen, gespiegelt, und beide Bilder insofern miteinander verbunden, daß ich die Position der Dentritenenden digital verändert habe. Ein organischer Kreis wurde somit geschlossen.

 

III.

Die vierte, fünfte und sechste Reihe ist in Anordnung und Inhalt gleich. Sie besteht jeweils aus fünf Einzelminen mit drei verschiedenen Bildinhalten. Zwei gleichen Inhalts liegen links und rechts. Sie zeigen die nackten, zerfetzten Fußsohlen eines ehemaligen Goldminenarbeiters. Die unterschiedliche Haltung der beiden Fußsohlenpaare weist einerseits auf einen reduzierenden und andererseits auf einen expandierenden Aspekt. Diese Fotografien wurden von mir 1990 aufgenommen.

Der in der Mitte befindliche, dritte, Bildinhalt zeigt einen männlichen Handrücken mit gespreizten Fingern. Der Unterarm ist zum Teil durch einen Hemdsärmel verdeckt. Es ist dies die Hand eines ehemaligen KZ-Häftlings, welcher die Lager Auschwitz und Dachau überlebte. Ich habe diese Fotografie im Sommer 1995 am tiefsten Punkt der Erde - Dead Sea - in Israel aufgenommen. Die Form des Bildes verbindet den Inhalt mit der sie umgebenden Haltung. Im weiteren inhaltlichen Zusammenhang wird durch diese Hand eine örtliche und zeitliche Beziehung zum thematischen Kern der T.A.02294 - Minenfeld #2, "Kunst94", ( Bier - Gold / Totenbahre - Gold ) hergestellt.

Johannes Angerbauer 1995

 

Die Legende der Bildinhalte wurde im Messekatalog publiziert. Der Besucher hielt so nach dem Verlassen der Messe ein Dokument in den Händen, welches ihm die mit (seinen) Füssen getretenen Themen aus (sicherer) Distanz nachvollziehen ließ.

Zu dieser Handlung erschien als Prozessdokumentation eine Publikation mit einem Vorwort von Mag. Martin Hochleitner - Institut für Kulturförderung des Landes Oberösterreich und von Univ.Prof.Dr. Josef Weidenholzer -
Johannes Kepler Universität Linz
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Diese Publikation enthält ein "Kleines Manifest".

 


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     [an error occurred while processing this directive]      Einblick seit 26. Mai 1998 - Letzte Änderung am 26. Mai 1998

mailto: Johannes Angerbauer

Aktuelles Projekt
T.A.04998