| Ein erster (Gast)-Kommentar zu den im Licht aufgerichteten
Wandobjekten aus der 50. Handlung kommt per E-mail von Manuela Schmid aus Giessen:
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| Johannes Angerbauer's "Kristalltag" |
| Das Werk T.A. 05098 "Kristalltag" stellt sich mir persönlich in ganz ambivalenter Hinsicht dar. Ich stehe vor dem aufgerichteten Werk, welches mir am 15. November nach Vollendung von Johannes Angerbauer`s Handlungen erstmalig präsentiert wurde, sehe die goldene Fläche, die von Menschen hinterlassenen Spuren, bemerke den Hammereinschlag, der die Bildfläche netzartig aufbrechen läßt und sehe im ersten Moment nur die Schönheit und die Ästhetik, geblendet vom goldenen Schein. Ich bin von einem eigenartigen Gefühl berührt. Ich sehe die wunderschöne "Bildoberfläche", die sich hell und strahlend darstellt, und weiß zugleich aus Angerbauer's Werkszusammenhang um die tragisch-leidvolle Wahrheit, die sich hinter diesem Schein verbirgt. Der goldene Schein trügt. Der Hammereinschlag läßt die Wahrheit ans Licht kommen. Diesen Einschlag empfinde ich für mich als gewaltig, denn ich verbinde in diesem Moment des Betrachtens den Aufbruch auf der Goldfläche auch als einen persönlich leidvollen Aufbruch in einen neuen aufgerichteten Lebensweg, der als Kunstweg nach Steyr seine Spuren hinterläßt. Läßt man die Dokumentationsbilder der Reichskristallnacht Revue passieren, so erscheinen Sie uns in einem dunklen Schwarz-Weiß Kontrast, schwarz wie die Nacht, von Schönheit keine Spur. Die aktuellen Fluchtspuren im "Kristalltag" von Vertriebenen aus Bosnien, Kosovo, Irak, Iran, Sowjetunion und Rumänien sind schöne Spuren in Gold. Johannes Angerbauer legt das Werk auf den Boden. Wir umgehen das Werk und sehen die Spuren in verschiedenen Lichteinfällen. Sie werden dreidimensional, verändern permanent die Bildoberfläche und vernetzen sich. Sie verbinden sich zu vielen möglichen Anschauungsweisen, so wie sich auch die Menschen in den Handlungen durch ihre gemeinsamen Spuren verbunden haben. Das jetzt zu gut bekannte historische Leid der Reichskristallnacht, damals noch verdeckt, wird nun durch das zeitgenössische aktuelle Leid heute Vertriebener hergestellt unter dem Deckmantel der Goldschicht? In diesem Werk leistet Johannes Angerbauer einen wesentlichen Beitrag zum Aufmerksammachen auf das Leid von Heute durch das Leid von Gestern auf "goldene Weise". Das Medium Internet verbreitet das Thema "Kristalltag" global öffentlich. Das Internet als Propaganda-Möglichkeit von Heute? |
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