GUSEN II:  DIE JUDEN

 

Die ungarischen und polnischen Juden tragen quer über die Brust ein breites, gelb bemaltes Band.

Es sind mehrere tausend; sie werden nicht lange durchhalten.
Sie sind bunt gemischt, Kinder, alte Leute. Ganz in sich selbst versunken, sind sie sanft, resigniert. Sie scheinen unfähig zur geringsten Reaktion, Besiegte im voraus. Die erwachsenen sind klein, krumm. schlecht gebaut. Sie sind so voller Selbstaufopferung, daß es einen wütend macht. Obwohl sie eigentlich in gesonderten Blocks untergebracht werden, sind dennoch einige in unseren Block gekommen. Es war ein Dutzend, sie haben kaum länger als eine Woche überlebt.
In unserer Baracke hat sich Joseph, der ein Spezialist in Judenfragen ist, sofort ihrer angenommen.
zum Gaudium des Blockpersonals und jenes Publikums, das aus Feigheit bereitwillig mitlacht, um sich die Gunst seiner Peiniger zu erwerben, erfindet er für sie eine ganze Reihe grausamer Spielchen.
Mit der Verschlagenheit einer Katze, von der er auch die beunruhigenden grünen Augen hat, spielt er mit der Beute, bedacht sie nicht zu schnell zu töten.
Der beste Scherz, der die versammelte Menge zum Johlen bringt, besteht darin, möglichst tief in den geöffneten Rachen eines Juden hineinzuspeien. Die Augen geweitet vor Angst, rühren sich die Juden nicht vom Fleck, in einer grotesken Habt-Acht-Haltung erstarrt. Sie schlucken den scheußlichen Schleim, diesen Schandfleck, den sie nicht auszuspucken wagen.
In der unterirdischen Fabrik findet Joseph, die Dunkelheit der Stollen als Komplizen, weitere Juden. Gemeinsam mit anderen Kapos füllt er seine Mußestunden damit, neue Foltermethoden zu erfinden. zum Beispiel zwingt er die Juden zum Tanzen in Paaren, zum Küssen auf den Mund und zu ähnlichen Scherzen. Aufgestachelt vom Gelächter, drückt er ihnen ganz langsam die Kehle zu. Durch den höllischen Lärm der Maschinen hindurch hören wir noch ihre Schreie, die spitzen Schreie von Kindern, die man erwürgt.

 

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Seite 139 aus dem Buch "GUSEN I I - Leidensweg in 50 Stationen". Ein Erinnerungsbericht von Bernard Aldebert, 1946. Übersetzt und herausgegeben von Elisabeth Hölzl, 1996. Erschienen und Copyright im Verlag "Bibliothek der Provinz", A-3970 Weitra, ++43/2815/635594.

 

Von mir entwendet und ins Netz gestellt am 18.Okt.1998

 

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T.A.05098 Johannes Angerbauer